Glattrückige Schlangenhalsschildkröte, Chelodina longicollis, – © Stefan Thierfeldt

Roe - 2008 - 01

Roe, J. H., A. Georges & B. Green (2008): Energy and Water Flux during Terrestrial Estivation and Overland Movement in a Freshwater Turtle. – Physiological and Biochemical Zoology 81(5): 570-583.

Energie- und Wasserumsatz während der terrestrischen Aestivation und den Überlandwanderungen bei einer Wasserschildkröte.

DOI: 10.1086/589840 ➚

 Chelodina longicollis, – © Stefan Thierfeldt
Glattrückige Schlangenhalsschildkröte,
Chelodina longicollis,
© Stefan Thierfeldt

Die Methode von doppelt markiertem Wasser (double labeled water, DLW) zum Studium der Energie- und Wasserbilanz bei im Freiland aktiven Wasserschildkröten während ihrer aquatischen Aktivitäten ist nicht einsetzbar, allerdings gibt es einige normalerweise aquatisch lebende Arten, die ihre feuchten Lebensräume verlassen müssen, so dass sie einige überlebenswichtige Verhaltensweisen an Land realisieren müssen, die einen großen Einfluss auf ihre Energie- und Wasserbilanz haben. Unter Verwendung der DLW-Methode, untersuchten wir die Beziehungen zwischen Energie und Wasserhaushalt während der terrestrischen Aestivation und bei terrestrischen Wanderungen bei der östlichen Schlangenhalsschildkröte (Chelodina longicollis), einer Spezies, die temporäre Feuchtgebiete im südöstlichen Australien bewohnt. Die Wasserverlustraten von 14,3-19,3 mL (kg d)-1 wurde während der Aestivation durch die Wasseraufnahme nahezu ausgeglichen, was anzeigt, dass die Schildkröten in ihren terrestrischen Aestivationsplätzen die Wasserbilanz nicht aktiv regeln, wobei die Dehydration nur langsam erfolgt. Der Energieaufwand während der Aestivation reduzierte sich mit der Zeit auf 20,0-24,6 kJ (kg d)-1 aber auch hier ließen sich keine wesentlichen bzw. aktiven physiologischen Anpassungsprozesse erkennen. Die Energiereserven der Tiere ließen einige Vorhersagen zu, die zeigten, dass die Aestivation auf einen Zeitraum zwischen 49 und 261 Tagen (abhängig von den Fettreserven der jeweiligen Schildkröte) begrenzt ist, und diese berechneten Vorhersagewerte stimmen annähernd mit den im natürlichen Habitat beobachteten Aestivationsabschnitten der untersuchten Population überein. Energieverbrauch und Wasserverlustraten für Überlandwanderungen bewegten sich bei Schildkröten, die etwa 23-34 m pro Tag zurücklegten, im Rahmen von 46-99 kJ (kg d)-1 und von 21,6-40,6 mL (kg d)-1. Wenn also ein Tümpel austrocknet und sich eine Schildkröte die Wanderung zu einer anderen Wasserstelle spart, kann sie damit ungefähr so viel Energie einsparen, wie sie in 134 Tagen Aestivation verbrauchen würde. Die Zunahme bei der beobachteten Aestivationsdauer mit zunehmender Entfernung zur nächstgelegenen Wasserstelle im natürlichen Habitat zeigt, dass es eine Energie-Aestivations-Abschätzung gibt – was sich mit dem deckt – was schon in vorhergehenden Studien beschrieben wurde – nämlich je weiter die nächste Wasserstelle entfernt ist, je mehr Schildkröten bevorzugen die Aestivation während sich fast alle Schildkröten für die Überlandwanderung entscheiden, wenn die nächste permanente Wasserstelle recht nahe liegt und nur relativ kurze Distanzen zu überbrücken sind. Somit können wir abschließend zusammenfassen, dass die DWL-Methode erfolgversprechend eingesetzt werden kann, um Fragen bezüglich der Verhaltensbiologie und Physiologie von Wasserschildkröten während ihrer terrestrischen Phasen zu untersuchen, auch wenn noch zusätzliche Validierungsstudien vonnöten sind.

Kommentar von H.-J. Bidmon

Siehe auch Roe & Georges (2008) und Bowne et al. (2006).

Literatur

Roe, J. H. & A. Georges (2008): Maintenance of variable responses for coping with wetland drying in freshwater turtles. – Ecology 89(2): 485-494 oder Abstract-Archiv.

Bowne, D. R., M. A. Bowers & J. E. Hines (2006): Connectivity in an agricultural landscape as reflected by interpond movements of a freshwater turtle. – Conservation Biology 20(3): 780-791 oder Abstract-Archiv.

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